Mal was zum so genannten Wahlkampf

Nichts…

Es gibt ja keinen. In nicht mal zwei Monaten wird gewählt und keine Partei führt Wahlkampf. Warum auch, Deutschland hat ja keine Probleme und alle Parteien sind mit ihrer derzeitigen Positionierung im Rennen um Parlaments- und Regierungssitze zufrieden. Ich raff das nicht…

Michael Spreng auch nicht und schreibt einen guten Beitrag drüber.

10 Antworten to “Mal was zum so genannten Wahlkampf”

  1. stiiier Says:

    Ah, Sprengsatz! Ja, in der Tat ein feiner Beitrag.

    Ich lese Sprengs „Kommentare der Woche“ auch ganz gern. Immer hat man das Gefühl, hier saß jemand mal an den GANZ großen Schalthebeln der Macht und weiß daher wovon er redet. Oh ha.

    Allerdings kommt es mir manchmal doch so vor, als ob hier jemand die Stoiber-Niederlage noch nicht so gaanz verwunden hat. ER würde natürlich alles anders machen. Ja aber was denn??

    Spreng motzt immer rum, geht den Problemen aber häufig nicht wirklich auf den Grund. Gut, ist in seiner Rolle als „Wahlkampf-Analyst“ vielleicht auch nicht gefragt.

    Ein anderer, eigentlich auch unerträglich eingebildeter Fatzke, hat mich in der letzten „Cicero“ mit einigen echt erstaunlich erfrischenden Ideen zur politischen (Brach)Landschaft überrascht. Lest selber:

    http://cicero.de/97.php?ress_id=7&item=3921

    @ Tommy: Wann kann ich mir die neue Cicero im Büro abholen??

  2. diedickedrei Says:

    Ja, der Mann spricht durchaus wahre Worte. Wollen wir nicht die unabhängige callitaday-Rapublik ausrufen, uns von der BRD abspalten und fortan ohne Parteiensystem, Generationenkonflikt, Zensur und stattdessen mit (und von) Schnitzel leben?

  3. philippkowsky Says:

    Das Thema Politik ist so ernüchternd, ohne Worte. Habe immer wieder das Gefühl, dass es sich beim Phänomen des Berufspolitikers um das größte Übel im gesamten System handelt.

    Erstens hat er jahrelang auf dem Marsch durch die Parteiinstanzen seine Parolen eingetrichtert bekommen und zweitens (als Folge des ersten Punktes) noch nie das echte Leben gesehen. Es gibt in der Politik keinen Anreiz für die besten Köpfe der Gesellschaft – und damit meine ich ausdrücklich keine Quereinsteiger wie den bedauernswerten Silvio S. vom AC Milan.

    Jetzt mal konkret: ich finde es lohnenswert, wie von F.W. Steinmeier vorgestellt, für Arbeitsplätze zu kämpfen – über das Ziel der Vollbeschäftigung muss man noch mal diskutieren, aber der Grundsatz ist absolut richtig. Abenteuerlich hingegen hören sich die Ausführungen an wie dies zu schaffen sei. Er (und damit steht er stellvertretend für fast alle Abgeordneten) kann doch selber nicht daran glauben, dass die Politiker Ansagen zu Zukunftsbranchen machen und dann entstehen dort Arbeitsplätze. Es müssen die Bedingungen verbessert werden und dann setzen sich die besten Ideen von selbst durch – und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird die keiner von den Typen in Deichmann-Tretern aus dem Reichstag haben.

    Also, warten wir es ab. Vielleicht kommt ja doch noch ein Wahlkampf. Und wenn nicht? Ist doch eh egal, oder wisst Ihr etwa noch nicht wo Euer Kreuzchen gemacht wird?

  4. diedickedrei Says:

    Doch, ich weiß, wo ich mein Kreuzchen machen werde. Beim geringsten Übel halt. Wenn jemand eine Partei mit dem Namen „GÜP – Geringstes Übel Partei“ gründen würde, bekäme der sofort meine Stimme. Das würde zumindest darauf schließen lassen, dass er/sie sich der Tatsache bewusst ist, dass er/sie gar nicht viel anders machen kann als die derzeitigen Volksvertreter (Stichwort: structural constraints), was natürlich trotzdem unschön, aber wenigstens ehrlich wäre.

  5. boa, eigentlich will ich mich ja nicht noch in meiner freizeit mit politik beschäftigen aber manche kommentare find ich echt schwach.

    es ist nichts leichter, als auf politik raufzuhauen. wer im mittelpunkt des interesses steht, von wem erwartet wird, moralisch 24 h am tag vorbild zu sein, alle probleme zu lösen und zwar für jeden bürger, egal ob die völlig unterschiedliche meinungen vertreten usw., der kann nur verlieren.

    ich sage nichts gegen leute, die qualitativ und vorallem konstruktiv politik kritisieren. doch diese hobby parteienschelte, die man überall liest und hört, macht vielleicht spaß aber ist letzten endes schwach und sogar gefärhlich.

    parteien sind eine grundlage für demokratische mehrheitsfindung und damit für demokratie überhaupt. ich merke, dass erschreckend viele politiker sich ihre spezielle lobby suchen und ihnen dann der rest der bevölkerung egal ist bzw. sich ein hausmedium a la BILD holen und damit ihre Legitimation bestreiten. ja, schlimm sagen jetzt alle. aber vielleicht auch verständlich bei der anti-poliutiker-stimmung. wer hätte bock sich zu engagieren, wenn das die aussicht ist?
    http://www.epv.de/node/2443

    der spreng blogt in letzter zeit zwar auch etwas pauschal und plakativ aber er hat auch schon oft reflektiert und vor allem interessant, weil mit neuen infos gespickt geschrieben. doch da unterscheidet er sich von den meisten. wer macht sich als wähler schon die mühe, genauer hinzuschauen geschweige denn wenigstens mal die wahlprogramme anzuschauen oder seine wahlkreisabgeordneten wirklich zu vergleichen. nur so kann man rausbekommen, mit welcher partei man inhaltlich am meisten übereinstimmt. 100 % übereinstimmung geht nie, selbst 70 % sind unwahrscheinlich, zumindest wenn es keine ein-thema-partei ist – die hauptsache ist, man kann sich mit mind. 51 % identifizieren.

    so jetzt hab ich doch viel zu viel geschrieben.
    also, feierabend

  6. diedickedrei Says:

    Naja, eine Wahl gewinnen zu wollen ohne den Wählern zu sagen, wofür man steht und weswegen man gerade diese Partei dieses Mal wählen sollte, finde ich mindestens genauso schwach. Denn das war eigentlich die Ausgangsfrage: Warum gibt es keinen Wahlkampf? Oder kommt der noch? Du sitzt doch an der Quelle. Wann geht es los? Und mit welchen Themen?

    Um es deutlich zu sagen: Wir sprechen hier von und über Politikverdrossenheit, ein Zustand, in dem ich mich selber ansatzweise befinde. Und ich kann das auch niemandem ernsthaft vorwerfen, dem es ähnlich geht. Wenn die etablierten Parteien sich großartig unterscheiden, warum machen sie die Unterschiede nicht für jeden deutlich? Wann, wenn nicht jetzt? Ich sehe das nicht primär als meine Aufgabe als Wähler an. Die wollen doch von mir gewählt werden (wobei ich zugebe, dass ich natürlich auch ein Interesse daran habe, von denen regiert zu werden, mit denen ich immerhin zu 51 % übereinstimme, sodass ich mich zumindest dann selbst informieren muss, wenn man mich nicht informiert)! Diese Kaum-Unterscheidbarkeit der etablierten Parteien ist der eine Grund für Politikverdrossenheit, denke ich.

    Nummer 2: Die Arroganz der Macht, siehe Frau von der Leyen, Frau Schmidt usw. Der Punkt ist nicht, dass diese Menschen Fehler gemacht haben und weiter machen werden, sondern dass sie nicht dazu stehen. Da muss ich brechen.

    Nummer 3: Wählerverarschung aka Volksverdummung. Wenn du sagst, Parteienschelte sei gefährlich, sage ich, den Wähler für dumm zu verkaufen (auch wenn viele dumm sind), ist viel gefährlicher. Warum sagt nicht einer mal, wie es ist? Warum sagt nicht einer mal: „Sorry, aber was meine Kollegen hier die ganze Zeit versprechen, ist Humbug. Wir haben 1,5 Billionen Euro oder so Schulden und werden uns deshalb in den nächsten 400 Jahren keine Steuersenkungen, Rentenerhöhungen, Krankenkassenbeitragssenkungen, Agrarsubventionen, usw. leisten.“ Ich kenne die reflexartige („Der Wähler will es doch nicht anders“) und die politikwissenschaftliche (strukturelles Problem, was ich heute verzapfe muss ja nur in den wenigsten Fällen der Wähler von heute bezahlen) Version der Antwort. Beide sind falsch, glaube ich (oder hoffe ich es nur?). Ich behaupte, der deutsche Wähler kann mit der Wahrheit umgehen (Voraussetzung: man erklärt ihm, warum das so ist und wie man aus dem Schlamassel vielleicht ansatzweise wieder rauskommt). Und ich behaupte, er würde es honorieren, wenn mal jemand so mutig ist, so etwas im so genannten Wahlkampf auszusprechen.

    Amen.

  7. 1. wahlkampf gibt es genug
    im kleinen: http://www.monika-griefahn.de/inhalt/meinearbeit/presse/2009/pm090727.pdf
    wie im großen: http://www.wahlkampf09.de

    dass kein thema dabei ist was polarisiert, ist pech. aber das hängt auch immer von zufällen ab (irak-krieg, flut). außerdem mit atomkraft gibt es doch etwas ganz gutes…
    und leider sind auch nicht solche charismatiker wie schröder, fischer oder kohl derzeit am start – aber mal keine egoshooter hat ja auch mal was.

    2. richtig, gerade langzeitpolitiker werden unerträglich arrogant. da unterscheiden sie sich aber kein bisschen von allen anderen erfolgreich tätigen. und zu ulla schmidt lohnt es sich, den objektiven blick wenigstens zu versuchen. siehe z.b. hier http://www.netzeitung.de/politik/deutschland/1417319.html

    3. die wähler wollen die wahrheit? ihr vielleicht, weil ihr sie ertragen könnt. aber die mehrheit wohl kaum. sieht man schon an den grünen. 5 euro pro liter benzin war die richtige forderung. folge: abgeraucht in allen umfragen. die cdu will steuern senken, die spd macht diese versprechungen nicht und kriegt aufs maul. also was sollen die parteien tun? moralisch untergehen oder lavieren?

    jeder der “das system” kritisiert und änderungen einfordern kriegt meinen respekt, wenn er dafür aktiv etwas tut z.b. indem er sich irgendwo organisiert egal ob partei oder ehrenamt. die verdrossenheit der meisten besteht aber leider aus der erwartung, dass die anderen es irgendwie besser machen sollen – das reicht nicht.

  8. diedickedrei Says:

    Nur kurz:

    ad 1) Ja, im Kleinen. Glaube ich sofort und finde ich gut. Im Großen, sehe ich nicht. Ne Webseite bauen, die keiner besucht (Vorsicht: Behauptung ohne Beweise!), kann jeder. Ich sage, hier draußen, außerhalb der politischen Zirkel, also beim Otto-Normal-Wähler kommt von einem Wahlkampf bislang so gut wie nichts an. Und das wundert mich. Du sagst es, Atomkraft gäbe (KONJUNKTIV!) es ein Thema.

    ad 2) Richtig, nicht nur Politiker werden arrogant, wenn sie mal von der Droge „Macht“ genascht haben. Zu Frau Schmidt: Wenn ich mich richtig erinnere, war da am Anfang von Terminen vor Ort oder so die Rede. Dass die ihren Drucker mit dem Auto nach Spanien kutschiert, finde ich plausibel. Dass sie sich hinstellt und erstmal die Unwahrheit sagt, finde ich unerträglich.

    ad 3) Das Lavieren fällt den Parteien doch genauso auf die Füße, nämlich dann, wenn die Wähler merken, dass die ganzen Wahlkampfversprechen aka Wahlkampflügen nicht eingehalten werden.
    Und natürlich war mir klar, dass ich mich dem Vorwurf aussetzen würde, es erstmal besser zu machen. Die Antwort ist: kann ich nicht (Ich komme schon ans Limit, wenn ich ne Party organisieren soll). Aber ich behaupte auch nicht, dass ich es kann.

  9. du trittst nicht an??? schade! bei dir hätte der schwarzeneggerische bizeptseffekt noch besser gewirkt als beim original.

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